Ein Sieger sein mit Hillary Clinton – Eine Polemik

In einem Video stimmt die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton auf ihren Wahlkampf ein. Doch ihr Narrativ blendet wichtige Probleme aus.

Haben Sie auch schon das Video zur Präsidentschaftskandidatur von Hillary Clinton gesehen? Das Video vermittelt Aufbruchstimmung und macht gute Laune. Moderne Familien sind zu sehen. Junge Eltern, eine Studentin und ein schwules Paar, die das moderne Amerika repräsentieren sollen. Mit dem Bekenntnis zur Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Paaren und Familien hatte sich erfreulicherweise schon Obama von den ewig gestrigen Republikanern abgegrenzt, die bereits eine voll ausgearbeitete Hetzkampagne gegen Hillary Clinton in der Schublade hatten, als die ihre Kandidatur bekannt gab.
Zwei Brüder sprechen auf spanisch die potenziellen Latino-Wähler an. Ein kleiner Junge und eine Rentnerin zeigen, Hillary ist für alle da. Ein hart arbeitender Mann in einem Traditionsbetrieb suggeriert die ehrliche Arbeit und deutet auf das Hauptmotiv hin. Die finale Botschaft des Videos ist, dass das amerikanische Volk von Krisen gebeutelt wurde und jetzt einen „Sieger braucht“. „Und ich will dieser Sieger sein“. Drohnenmorde, Foltergefängnisse und Massenüberwachung haben hier natürlich keinen Platz. Wer will nicht zu den Siegern gehören? Auch wenn man dafür über Leichen gehen muss. Das sind dann nur unbequeme Nebenschauplätze, solange Joe der Klempner einen sicheren Arbeitsplatz hat.

 

Der amerikanische Traum, der Beste zu sein, ist ein trügerisches Ideal

„Get ahead and stay ahead“, kommen Sie nach oben und bleiben Sie oben. Das ist das gute alte Narrativ vom amerikanischen Traum. Jeder ist seines Glückes Schmied. Der Stärkste nimmt sich das Meiste? Ist der amerikanische Traum nicht eine Illusion in Anbetracht der enormen sozialen Spaltung in den USA? Superreiche besitzen den übergroßen Anteil am gesamten Privatvermögen und Einkommen. Sie leben zum Teil abgeschottet in eigenen Siedlungen, während Millionen Menschen, die es eben nicht nach oben geschafft haben, obdachlos sind und in Elendsquartieren hausen. Ganz zu schweigen von den durch den Klimawandel zunehmenden jährlichen Naturkatastrophen wie Orkanen und der anhaltenden Dürre in Kalifornien. Der Satiriker Volker Pispers hat die USA treffend als „komplett entsolidarisierte Gesellschaft“ bezeichnet. Natürlich gibt es in den USA punktuell auch Formen der Solidarität wie Wohltätigkeitsorganisationen, Nachbarschaftshilfen oder die Gesundheitsreform. Aber das Maß der sozialen Spaltung, die Auswirkungen des reagenschen Neoliberalismus sind derart gravierend, dass „Get ahead and stay ahead“ doch die völlig falsche Botschaft zu sein scheint. Nur wer die ethisch und ökonomisch dringend gebotenen Gerechtigkeitsfragen angeht, wird diesem sich selbst zerstörenden Land helfen können. Leider wird auch bei der Präsidentschaftswahl 2016 die demokratische Kandidatin nur die weniger schlechte Wahl sein. Alternativen, wie die grüne Präsidentschaftskandidatin Jill Stein oder der sozialdemokratische Mitbewerber Bernie Sanders werden wie immer keine Chance haben gegen die Macht des Großkapitals. Das große Fressen auf Kosten der Gemeinschaft und des Planeten wird weiter gehen. Ein Sieger zu sein, bedeutet eben auch immer, dass es Verlierer geben muss.

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