Karl VII. – Der unglücklichste Kaiser der Geschichte

Karl VII.

Karl VII. wollte sein Land zu großem Ruhm führen und endete als machtloser Monarch.

Als im Jahr 1740 Kaiser Karl VI. aus dem Hause Habsburg (Vorgänger von Karl VII.) ohne männlichen Erben starb, entbrannte im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation ein Konflikt nicht nur um die Nachfolge des Kaisers, sondern um das Erbe des Habsburger-Imperiums überhaupt. Karl VI. hatte zwar in einem Vertrag, der sogenannten Pragmatischen Sanktion, festgelegt, dass die habsburgischen Erbländer unteilbar innerhalb der Familie vererbt werden sollten. Demnach sollte seine Tochter Maria Theresia alle vererbbaren Territorien und Titel erben. Doch nach dem Tod des Kaisers wollten die Herrscher Europas, die zuvor ihre Zustimmung zur Pragmatischen Sanktion gegeben hatten, bald nichts mehr von ihren Versprechen von gestern wissen und stürzten sich wie Hyänen auf die habsburgische Erbmasse.

Ein bayrischer Kurfürst greift nach der Macht
Dies war die Stunde des bayrischen Kurfürsten Karl Albrecht aus dem Hause Wittelsbach. Er machte vermeintliche Ansprüche auf das habsburgische Erbe geltend und ließ seine Truppen kurzerhand Oberösterreich besetzen und gen Böhmen marschieren. Zeitgleich arbeitete er auf die Erfüllung eines alten Traumes seiner Dynastie hin: die Wiedererlangung der Kaiserkrone.
Das Kaisertum des römisch-deutschen Reiches war kein Erbkaisertum. Der Kaiser wurde von den Kurfürsten des Reiches gewählt (der Titel Kurfürst kommt von küren). Die Kaiserkrone war seit 1404 stets an Kandidaten aus dem mächtigen Hause Habsburg gegangen. Doch die männliche Hauptlinie dieses Geschlechts war nun ausgestorben und es kamen rechtlich nur männliche Kandidaten in Frage. Die habsburgische Prinzessin Maria Theresia war somit von der Thronfolge ausgeschlossen und musste sich mit der Königskrone von Böhmen und Ungarn begnügen.

Wappen Karls VII.
Wappen Karls VII.

Die Wittelsbacher hatten die Kaiserkrone schon einmal im Hochmittelalter kurz inne gehabt, unter Ludwig IV. von 1328 – 1347. Nach ausgedehnten militärischen und diplomatischen Manövern und unter Aufbietung enormer Geldmittel gelang es Karl Albrecht schließlich 1742 als Karl VII. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt zu werden. Die Krönung fand im Kaiserdom in Frankfurt am Main statt und sollte als eine der prächtigsten Krönungen in die Geschichte des Reiches eingehen. In einer überbordend dekorierten goldenen Prunkkarosse näherte sich Karl Albrecht der freien Reichsstadt, vor deren Toren der Magistrat ihm feierlich die Schlüssel der Stadt überreichte. Feuerwerksraketen wurden gezündet, 100 Kanonen abgefeuert und alle Glocken geläutet. Die Menschen drängten sich in den Straßen und ließen Hoch-Rufe erschallen. Die Krönung mit der mittelalterlichen Kaiserkrone erfolgte in einer aufwändigen Zeremonie vor dem Altar im Dom durch die Kurfürsten von Mainz und Köln und in Anwesenheit zahlreicher hoher Reichsfürsten sowie Gesandter aus ganz Europa. Dabei sprach der Kölner Kurfürst, Clemens August, der Bruder des Gekrönten, die Worte „Accipe Coronam Regni“, Nehmet hin die Reichskrone. Lateinische Fürbitten wurden gesprochen und Orgelspiel und Chorgesang erklangen. Die Feierlichkeiten und Rituale zogen sich über mehrere Tage hin. Im Zuge dessen wurden Gold- und Silbermünzen im Wert von 8000 Gulden in die Menschenmenge geworfen.

Krönungswagen_Karl_VII
Krönungswagen Karls VII.

Die Macht des Kaisers implodiert
Die prunkvolle Krönung war jedoch mehr Schein als Sein. In Wirklichkeit war Karl VII. ein überaus unglücklicher und machtloser Kaiser. Schon während der Krönungstage plagten ihn heftige und schmerzvolle Gichtanfälle. Hinzu kam, dass sein anfängliches militärisches Glück sich bereits ins Gegenteil verkehrte. Österreichische Truppen eroberten die besetzten Gebiete zurück und besetzten nun ihrerseits Teile Bayerns, sodass der Kaiser für längere Zeit nicht in seine Residenzstadt München zurückkehren konnte und die Regierungsgeschäfte von Frankfurt aus steuern musste. Darüber hinaus bedeutete die Kaiserkrone zwar einen großen Prestigegewinn für sein Herrscherhaus. Doch sie war kaum mit realer Macht verbunden. Sie kostete Bayern weitaus mehr Geld als sie einbrachte.
War die künstlerisch-architektonische Inszenierung der fürstlichen Macht zur Zeit Karl Albrechts ein europaweit aufblühendes Motiv, so musste ein Kaiser des Heiligen Römischen Reiches erst recht die übrigen Fürsten und Könige überstrahlen. So verschlangen die Prachtentfaltung und Bauvorhaben des Kaisers Unsummen. Seine Hofausgaben betrugen 35 % der gesamten Staatsausgaben. Dafür brachte Karl VII. gemeinsam mit seinem Hofbaumeister François Cuvilliés den bayrischen Rokoko auf seine Höchstform und künstlerische Vollendung. Davon zeugen die reichlichen Stuckaturen in der Ahnengalerie und der Grünen Galerie in der Münchner Residenz.

Nach nur zwei Jahren Regentschaft starb Karl VII. an Gicht. Sein Sohn und Nachfolger Maximilian III. musste mit Maria Theresia Frieden schließen und konnte die Kaiserkrone nicht für das Haus Wittelsbach erhalten. Hinter Karls VII. Ambitionen stand keine ausreichende reale Macht, auf die eine Nachfolge im Reich hätte bauen können. Die Kaiserkrone ging auch mit der Stimme Bayerns wieder an den habsburgischen Kandidaten über, Franz-Stephan von Lothringen, den Ehemann von Maria Theresia und blieb in dieser Dynastie bis zur Auflösung des Reiches im Jahr 1806.

Weiterleiten:

Anzeigen

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*