Bayern – Wo der Himmel die Erde küsst

In Bayern findet man einsame prunkvolle Bauwerke in traumhaft schönen Landschaften

„Es war als hätt‘ der Himmel die Erde still geküsst…“ So beginnt Eichendorffs Gedicht „Mondnacht“. Wie Eichendorff sich gefühlt haben muss als er diese Zeilen schrieb, fühlte ich mich als ich die erste Station meiner Bayernreise erreichte. Eine Gondel brachte mich auf den Herzogstand, einem Berg zwischen Kochelsee und Walchensee. Nördlich blickte ich jetzt über eine weite Ebene mit dem Starnberger See in der Ferne. Südlich erstreckten sich die Alpen. Wolken stiegen von den umliegenden Wäldern auf und tauchten alles in eine mystische Atmosphäre. Über einen schmalen Grat wanderte ich zum benachbarten Heimgarten auf 1800 Metern über N.N. Hier steht man über den Dingen. Man schaut über die Gipfel und kontempliert die eigene Existenz auf diesem schönen Planeten.
Ein traumhafter Waldweg führt wieder runter zum Walchensee.
Die nächste Station der Reise führte mich in eine Region, die nicht nur landschaftlich sehr schön ist, sondern auch mit drei überraschend prächtigen Bauwerken aufwartet.

Barocke Pracht in Alpentälern

Das Kloster Ettal liegt in einem Tal in den Alpen, kurz vor der österreichischen Grenze. Das ursprünglich mittelalterliche Kloster wurde ab 1744 im Stil des Hochbarock ausgebaut. Die gold-weißen Stuckkaturen in der Klosterkirche sind bombastisch. Warum errichtet man ein derart prunkvolles Bauwerk in einem abgelegenen Tal in den Bergen?
Doch damit nicht genug. Rund 11 Kilometer weiter, in einem, noch abgelegeneren Tal, erreichte ich Schloss Linderhof. Nur König Ludwig II. von Bayern konnte auf die Idee kommen, an dieser Stelle ein Lustschloss im Stil des französischen Barock zu errichten. Von 1870 bis 1886 erbaut, diente das Schloss als Rückzugsort und als eine Art Huldigungsstätte an das französische Königtum. Schon in der Eingangshalle grüßt den Besucher eine Statue von Ludwigs Vorbild, Ludwig XIV. von Frankreich. Auch in den Salons sind zahlreiche Motive aus der Geschichte des französischen Königtums in Gemälden verarbeitet. Wie aus den anderen Schlössern Ludwigs II. bekannt, ist auch hier die Innenausstattung bombastisch bis ins Extreme. Überbordende goldene Stuckkaturen, filigrane Prozellanlüster und Prunkmöbel ziehen die Blicke auf sich und man hat wie immer gar nicht die Zeit, alles aufzunehmen.
Der Garten hat noch ein paar Überraschungen zu bieten. Der Maurische Kiosk und das Marokkanische Haus entführen in eine orientalische Welt. In der Grotte trifft man auf einen beheizbaren See, auf dem der König sich Wagner-Opern aufführen lassen konnte oder ein Bad nehmen konnte.
Das dritte Ziel an diesem Tag war die 40 Kilometer entfernte Wieskirche. Wieder eine Kirche irgendwo auf dem Land, die, wenn man sie betritt, einen mit ihren prächtigen Verzierungen erschlägt. Die Verzierungen im Stil des Rokkoko erhielt die Kirche in den Jahren 1745 – 1754 durch die Brüder Zimmermann. Dies war die Zeit, als die katholische Kirch in Abgrenzung zu den bescheidenen protestantischen Kirchen Norddeutschlands Kirchen und Klöster in Süddeutschland zu Ehren Gottes mit prächtigsten Verzierungen ausstatten ließ. Mit der christlichen Lehre hat das wahrscheinlich wenig zu tun. Dafür hat es uns herausragende Baudenkmale hinterlassen, die von Besuchern aus aller Welt bestaunt werden. Die Wieskirche wurde als ein solches herausragendes Baudenkmal von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Wilde Natur wie im Urwald
Die letzte Station auf dieser Reise brachte mich an einen Ort, an dem die Natur sich von ihrer wildesten Seite zeigte: Die Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen. Mit gewaltiger Kraft zwängen sich hier die Wassermassen zwischen den hohen Felswänden hindurch. Die an manchen Stellen äußerst schmale Klamm, kann man über einen langen in den Fels gehauenen Weg durchlaufen. Auf dem Weg geht man direkt neben dem rauschenden Fluss und man spürt, wenn man dort rein springen würde, müssten die enormen Kräfte des Wassers einen zerquetschen.
Zur Klamm kann man auch über einen Wanderweg gelangen. Dieser startet auf dem Graseck in 1300 Metern Höhe, wo ein Sessellift vom Skistadion aus hoch führt. Von dort wandert man runter zum Eingang der Klamm. Der Durchgang durch die Klamm ist kostenpflichtig.

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