Das Rheingauer Gebück – Eine mittelalterliche Grenzbefestigung

Rheingauer Gebück
Die Mapper Schanze

Das Rheingauer Gebück ist ein beeindruckendes Beispiel einer mittelalterlichen Landwehr. Seine Überreste im Taunus kann man auf spannenden Wanderwegen erkunden.

Der Rheingau, das rechtsrheinische Gebiet zwischen Wiesbaden und Kaub, ist bekannt für seinen Weinbau auf sanft geschwungenen Hängen und für seine alten Städte. Schon im Mittelalter war der Rheingau ein reiches Land, das zum Herrschaftsgebiet des mächtigen Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten gehörte. Der Weinbau und die Rheinzölle spülten Geld in die Kassen des Fürstbistums. Das gut erhaltene Kloster Eberbach und die Schlösser in Eltville und Rüdesheim sowie Schloss Vollrads zeugen noch heute von diesem Wohlstand. Doch dieser weckte immer wieder die Begehrlichkeiten der benachbarten Fürstentümer. Deswegen ließen die Herrscher über den Rheingau im 14. Jahrhundert eine erstaunliche Grenzbefestigung um ihr Land errichten.
Das Rheingauer Gebück bestand aus einem Streifen aus niedergebundenen –„gebückten“- Buchen, die so zu einem undurchdringlichen Dickicht zusammenwuchsen. Dieser Streifen umschloss den gesamten Rheingau, außer zur Flussseite und an Stellen, wo die Grenze aufgrund natürlicher Gegebenheiten ohnehin undurchdringlich war. Überqueren konnte man die Grenze nur noch an bestimmten Wegpunkten. Diese Grenzübergänge waren gesichert durch sogenannte Schanzen und Bollwerke. Dies waren steinerne Torhäuser, flankiert von Türmen und Rondellen. Im 18. Jahrhundert wurde das Rheingauer Gebück aufgegeben und weitgehend gerodet. Deswegen ist nur von einer einzigen dieser Schanzen eine Ruine erhalten geblieben: die Mapper Schanze bei Hausen vor der Höhe.
Man erreicht die Mapper Schanze nach ca. 4 Kilometern Fußweg vom Wanderparkplatz Bittereiche bei Hausen vor der Höhe. Neben der Ruine wurde in den 80er Jahren auch ein Teilstück des Streifens wieder in der gleichen Weise angepflanzt zur Veranschaulichung. Darüber hinaus gibt es einen Gebück-Wanderweg entlang der historischen Grenze, auf dem man auch noch einige alte Bäume sieht, die krumm gewachsen sind und auf den Verlauf des Rheingauer Gebücks hindeuten.

Verlauf des Rheingauer Gebücks
Verlauf des Rheingauer Gebücks

Wenn Fantasy Wirklichkeit wird

Die Idee des Rheingauer Gebücks hätte von den Fantasy-Autoren J.R.R. Tolkien und George R.R. Martin stammen können. Doch so außergewöhnlich uns diese Befestigungsanlage heute erscheint, so war sie im Mittelalter nur eine von vielen dieser Art. Gräben, Sträucher und Hecken wurden an vielen Orten eingesetzt, um eine Grenze schwer passierbar zu machen und Feinde abzuhalten. Diese Art von Grenzbefestigung nennt man Landwehr. In manchen Orts- und Straßennahmen findet sich dieser Begriff heute noch.

Rheingauer Gebück
Anpflanzung in der Art de Rheingauer Gebücks

Ein Krieg droht den Rheingau zu verwüsten

Dass die Rheingauer diese Grenzbefestigung brauchten, leuchtet ein, wenn man sich die Geschichte der Region anschaut. Neben Fehden einzelner örtlicher Feudalherren führten Machtkämpfe zwischen dem Mainzer Erzbischof, der aufstrebenden Bürgerschaft im Rheingau und den benachbarten Rheingrafen, die ihr Territorium erweitern wollten, zu ständigen Konflikten und auch Kriegen. Einer der dramatischsten Kriege in diesem Kontext war die Mainzer Stiftsfehde im Jahr 1461. Damals hatte der Papst den Mainzer Erzbischof Diether von Isenburg-Büdingen für abgesetzt erklärt und Adolph II von Nassau-Wiesbaden-Idstein zum neuen Erzbischof erklärt. Der abgesetzte Fürst nahm die Absetzung jedoch nicht hin. Es kam zum Krieg zwischen Adolph II. auf der einen Seite und Kurfürst Diether in einer Allianz mit Kurfürst Friedrich von der Pfalz auf der anderen Seite. Im darauf folgenden Jahr wagten die alliierten Truppen schließlich einen Angriff auf das Rheingauer Gebück. Doch auch nach viertätigem Kampf und unter Einsatz von Kanonen gelang es den Angreifern nicht, die Grenze zu überwinden.
In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gelang es Adolph II. letztendlich, mit seinen Truppen in die Stadt Mainz einzudringen und die Macht an sich zu reißen. Diether floh Hals über Kopf und nackt aus der Stadt. Den Kurfürstenhut bekam er nicht zurück, doch dafür einige Ländereien als Abfindung.

Eine exzellente und umfassende Darstellung des Rheingauer Gebücks und seiner historischen Umstände liefert das Buch „Rheingau, Taunus und Gebück“ von Christian Grubert:

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