Borgen – Politik war nie spannender

Die Serie „Borgen – Gefährliche Seilschaften“ entführt uns in die dänische Politik und Medienlandschaft. Dabei bildet sie auf subtile und zugleich brilliante Weise die Mechanismen und Wechselwirkungen der Politik und Presse ab. Im Gegensatz zum bekannteren US-amerikanischen House of Cards kommt Borgen ohne Gewalt aus, ist jedoch nicht weniger spannend.

Die Hauptfigur in Borgen ist die charismatische Birgitte Nyborg, die mit ihrer ursprünglich kleinen Partei „Die Moderaten“ an die Macht gewählt wird und als Premierministerin von Dänemark nun die Regierungsgeschäfte leiten muss. Dabei durchsteht sie allerlei Intrigen und Verwicklungen, muss Herausforderungen auf verschiedenen Politikfeldern meistern und das alles noch mit ihrem Privatleben unter einen Hut bringen. Die Serie orientiert sich dabei an aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Fleischskandale, Bürgerkrieg in Afrika oder ein neues Prostitutionsgesetz. Die Handlungsstränge wirken realistisch und die Charaktere authentisch.

Birgitte Nyborg müsste man am ehesten als pragmatische Idealistin charakterisieren. Sie steht mit ihrem Wertefundament in der Mitte der Gesellschaft und versucht mit Sachverstand das umzusetzen, was ihr für das Land am besten erscheint. Dabei muss sie jedoch ständig zwischen den Fronten vermitteln. Das ergibt sich allein schon aus dem politischen System Dänermarks, das ebenso wie die dänische politische Kultur doch deutliche Unterschiede zu Deutschland, Österreich oder der Schweiz aufweist. Bei den Wahlen zum dänischen Parlament, dem „Folketing“, gibt es nur eine 2-Prozent-Hürde, sodass mehr Parteien im Parlament vertreten sind und auch kleine Parteien mehr Chancen auf Einflussnahme haben. So muss Nyborg drei Parteien als Koalitionspartner ins Boot holen, um eine Regierung bilden zu können. Auch Wechsel zwischen Posten in der Presse und in der Politik sind in Dänemark anscheinend nichts ungewöhnliches. Wer gestern noch Spitzenkandidat der sozialdemokratischen Partei war, ist heute Chefredakteur einer großen Tageszeitung, und wer heute Journalist oder Nachrichtensprecher ist, wird morgen Pressesprecher bei den Liberalen.

Vielfältige Charaktere

Neben der sympathischen Hauptprotagonistin gibt es aber auch verschiedene sehr kantige Charaktere, die Borgen zu keinem Zeitpunkt langweilig werden lassen. Da ist der schrullige Vorsitzende der rechtspopulistischen Freiheitspartei, der fiese Zeitungsredakteur, der die Schmuddelgeschichten bringt ohne Rücksicht auf jeden Anstand, der gewiefte Kontrahent von den Liberalen, der selbst gerne wieder Premierminister sein will, oder der schmierige Gegenspieler aus den eigenen Reihen, der um jeden Preis an die Macht will.

Birgitte Nyborg, mit der man durchgängig mitfiebert, muss ständig kämpfen, taktieren und verhandeln. Zuweilen stößt sie an ihre Grenzen und begeht auch Fehler. Auch ihre Familie stellt ihre Rolle als Premierministerin auf eine harte Probe. Politiker sind eben auch nur Menschen.
Es wäre schön, wenn es in der wirklichen Politik mehr Menschen gäbe, die das Rückgrat einer Birgitte Nyborg haben. Weiter verbreitet ist doch wohl eher der Typus des skrupellosen Machtmenschen, den es wahrscheinlich in jedem Land zur Genüge gibt und der in Borgen auf erschreckend realistische Weise porträtiert wird.

Borgen, dessen Name eine umgangssprachliche Bezeichnung für den Sitz des dänischen Parlaments in Schloss Christiansborg in Kopenhagen darstellt, ist ein sehenswerter und aufregender Ausflug in die Welt der Politik, der uns mit einem Lächeln und einem Schimmer Hoffnung zurücklässt.

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