Mit dem Nachtzug nach Wien

Nachtzug

Nachtzüge sind eine gute Sache. Man kann mit ihnen auf ökologische Weise große Distanzen zurücklegen und –in der Theorie– dabei Zeit sparen. In diesem Test will ich herausfinden, wie gut das Konzept in der Praxis funktioniert.

Die Deutsche Bahn hat leider vor kurzem bekannt gegeben, dass sie sich aus dem Nachtzug-Geschäft zurückzieht, weil die Buchungen zu gering seien. Nächtliche ICEs sollen weiter fahren, doch das Schlafwagen-Konzept wird aufgegeben. Die Begründung wirkt etwas vorgeschoben, da die Deutsche Bahn das Nachtzug-Angebot mit wenig liebe gepflegt hat. Die Buchung ist umständlich und die Werbung gering und zum Teil sogar irreführend. Ein Lichtblick ist, dass die ÖBB einen Teil der Verbindungen übernehmen will und damit ihr Nachtzug-Angebot ausbauen will.

Für meinen Test habe ich eine Fahrt von Frankfurt am Main Flughafen nach Wien Hauptbahnhof in der günstigsten Klasse gebucht. Die achteinhalbstündige Fahrt kostete hier mit etwa zwei Monaten Vorlauf 39 Euro.  Dieses Produkt umfasst eine Mitfahrt in einem Abteil mit verstellbaren Sitzen und wurde von der Bahn romantisch „Spar-Night“ getauft.
Diese Nachtzugverbindung beginnt in Düsseldorf und endet in Wien. Zustiege im Rhein-Main-Gebiet sind möglich in Mainz, Frankfurt Flughafen und Frankfurt Süd. Bei der Abfahrt am Flughafen bin ich gleich fast in die erste Service-Falle getappt. Der Flughafen Frankfurt hat einen Regionalbahnhof und einen Fernbahnhof, die durch die A3 voneinander getrennt sind und nur über eine Brücke miteinander verbunden sind. Man möchte meinen, dass ein grenzüberschreitender Nachtzug als Fernzug zählt und daher logischerweise im Fernbahnhof abfährt. Doch das tut er nur in einem Zeitraum von zwei Wochen im August. Außerhalb dieses Zeitraums fährt der Zug im Regionalbahnhof ab. Daher sollte man rechtzeitig vorab genau darauf achten, wo man hin muss.

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Der Zug selbst setzt sich zusammen aus mehreren Liegewagen, Abteilwagen und mehreren Autotransportern. Obwohl ich die Fahrkarte auf der Seite der Deutschen Bahn gebucht habe, haben die Wagen ÖBB-Anstrich und das Personal ÖBB-Uniformen. Das Zugabteil ist mit 6 bequemen Sitzen ausgestattet, die sich in verschiedene Positionen und sogar bis in eine waagerechte Fläche verstellen lassen. Das nutzt allerdings nichts, wenn alle Sitze belegt sind. Dann kann man nur senkrecht dasitzen und wird schwer eine Position finden, in der man schlafen kann. Da kann die Spar-Night schnell zur Qual-Night werden.
Darüber hinaus muss man sich im Klaren sein, dass die Geräuschkulisse ziemlich laut ist und dass der Zug auch stark schaukelt. Zwar gibt es während der Fahrt keine Durchsagen vom Zugpersonal. Doch Klappernde Türen, Fahrtwind, Kompressoren usw. sorgen für einen konstant hohen Geräuschpegel. Wer gar nicht schlafen kann oder will, kann mit kleinen runter gedimmten Leuchten lesen, ohne die Mitfahrenden zu stören. Das Abteil ist auf eine angenehme Temperatur klimatasiert.

Fazit: Der Nachtzug von ÖBB/DB ist günstig in der Kategorie „Spar Night“. In Sachen Bequemlichkeit ist es ein Glücksspiel, ob man genug Platz im Abteil hat, um sich auszustrecken oder ob man mit weiteren Reisenden auf engem Raum zusammengepfercht ist. Der Schlaf ist wohl in jedem Fall eher ein leichter aufgrund der starken Bewegungen und Geräusche des Zuges. Beim nächsten Mal teste ich den Liegewagen.

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