Rhetorische Blüten im US-Präsidentschaftswahlkampf

Donald Trump
AP Photo/John Locher

Die Wahlkämpfe zur Wahl des US-Präsidenten sind immer ein unterhaltsames Schauspiel, bei dem auch gerne und viel Schlamm geworfen wird. Doch diesmal ist es wirklich ein besonderes Spektakel.

Auf der einen Seite haben wir eine Kandidatin, die mit allen Wassern gewaschen ist. Hillary Clintons Rhetorik ist brilliant, sie findet immer die richtigen Worte, ihr Lächeln ist perfekt, sie wirkt nicht zu kühl und zugleich kompetent. Sie hat viel Erfahrung in diesem Geschäft und weiß, wie man eine gute Figur macht. Sie ist der Traum eines jeden PR-Beraters. Doch die Tatsache, dass sie die ideale Politikerin ist, scheint genau das zu sein, was viele Wähler an ihr ablehnen.
Donald Trump auf der anderen Seite inszeniert sich als bulliger Außenseiter, als erfolgreicher Geschäftsmann jenseits der korrumpierten Politikerkaste. In Debatten beantwortet er Fragen häufig gar nicht, präsentiert keine nachvollziehbaren Konzepte und seine markigen Sprüche, die oft ins Persönliche gehen, werden ihm von seinen Anhängern nicht vorgeworfen, sondern zugutegehalten.

Designierte Regierungschefin mit Technikproblemen
Doch Inhalte sind im US-Wahlkampf ohnehin zweitrangig. Um zu gewinnen, muss die mediale Inszenierung erfolgreich sein. Dies führt zu heftigen Angriffen auf den jeweiligen Gegenkandidaten. Selbst die TV-Debatten arten daher, anders als in Deutschland, regelrecht zu einer Schlammschlacht aus. Beide Lager überbieten sich mit zum Teil echten, zum Teil übertrieben und verdrehten Anschuldigungen. Clinton punktet hier dadurch, dass sie ruhig bleibt und sich nicht zu sehr provozieren lässt. Und Trump ist offenbar ein Kandidat, der, wenn er sich angegriffen fühlt,  umso kratzbürstiger zurückschlägt. Clinton bewahrt bei allen Attacken gegen sie eine präsidiale Souveränität, die sie positiv von anderen Kandidaten abhebt.
Manche Anschuldigungen gegen sie werden von den Republikanern geradezu ins Aberwitzige gesteigert. Da wird ihr auf der einen Seite der Versand von vertraulichen Dokumenten über einen privaten E-Mail-Dienst vorgeworfen. Zugleich würde sie andererseits Geheimnisse auf einem eigenen „geheimen“ Server bei sich im Keller der Öffentlichkeit vorenthalten. Was denn nun? Ist sie schuldig, zu wenig geheim gehandelt zu haben oder zu viel?

Rabiater Lustmolch gegen alle
Bei Angriffen auf ihren Gegenkandidaten Trump muss Clinton nicht lange suchen. Von Donald Trump gibt es kaum eine Aussage, die nicht im Widerspruch zu einer anderen Aussage von ihm steht. Es gibt wohl keine Minderheit und wenig ausländische Regierungen, die er noch nicht beleidigt hat. Darüber hinaus schlagen die Skandale um sein Verhältnis und seine Einstellung zu Frauen immer höhere Wellen. In einem kürzlich aufgetauchten Video aus dem Jahr 2005 ist Trump zu hören, wie er munter ausplaudert, dass er Frauen einfach ohne deren Einverständnis küsst, und dass man als Star wie er Frauen auch einfach unsittlich berühren könne.
Sicherlich hat eine Heerschar von PR-Beratern die Nächte nach der Veröffentlichung durchgearbeitet, um an einer Kommunikationsstrategie zu feilen, mit der Trump dieser PR-Katastrophe begegnen kann. Das Ergebnis dieser Bemühungen wurde dann während der letzten TV-Debatte sogleich präsentiert. Es ist nur ein Wort: locker room talk. Eine interessante Wortschöpfung. Es bedeutet so viel wie das Geplauder von pubertierenden Jungs in der Umkleidekabine nach dem Sport. Genial! Was Jungs unter sich Zotiges daherreden, das darf man doch nun wirklich nicht zu ernst nehmen. Unglücklich für Trump ist nur, dass sich immer mehr Frauen öffentlich zu Wort melden und davon berichten, dass Trump nicht nur so redet, sondern auch so handelt und sie unsittlich berührt habe.

Eine Intrige setzt den Todesstoß
Die Quittung kam sogleich. Führende Republikaner distanzierten sich von ihrem eigenen Kandidaten und Trump viel in den letzten Umfragen deutlich hinter Clinton zurück. Der Todesstoß in Form des Videos kam vermutlich gar nicht mal aus dem Clinton-Lager, sondern von der Familie Bush. Jeb Bush war Trumps Konkurrent in den Vorwahlen. Trump hatte Bush hart angegriffen und ihm ein Zitat aus einem Interview in verdrehender Weise vorgehalten. In dem Video, das Trump belastet, ist der Milliardär im Gespräch mit einem anderen Sprössling der Familie Bush, einem Cousin Jeb Bushs. Hätte das Clinton-Lager das Video gehabt, wäre eine Veröffentlichung ca. eine Woche vor dem Wahltermin am effektivsten gewesen. Tatsächlich wurde das Video kurz vor der zweiten und vorletzten TV-Debatte veröffentlicht, einem Zeitpunkt, an dem es theoretisch noch möglich gewesen wäre, Trump als Kandidaten zu ersetzen.

Doch ein Donald Trump gibt sich so schnell nicht geschlagen. Das Spektakel geht weiter und wir dürfen gespannt sein auf die nächsten Blüten, die dieser Wahlkampf noch bringen wird.

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