5 Orte in Hessen von weltgeschichtlicher Bedeutung

Hessen
Die Enthüllung des Denkmals Landgraf Friedrichs II. auf dem Friedrichsplatz in Kassel, Gemälde von Johann Heinrich Tischbein dem Älteren, 1783

Hessen lag geografisch immer zwischen den großen Mächten Europas und war die meiste Zeit in kleinere Territorien zerstückelt. Dennoch gibt es 5 Orte in Hessen, die weltgeschichtliche Bedeutung erlangten.

1. Kassel
Kassel war bis 1866 die Hauptstadt eines mittelgroßen Fürstentums im Deutschen Reich: der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Im 16. Jahrhundert führte Landgraf Phillipp der Großmütige als einer der ersten in Deutschland in seinem Fürstentum die Reformation ein und legte sich mit dem mächtigen Kaiser Karl V. an. Zusammen mit seinem Verbündeten, dem Kurfürsten von Sachsen, besiegte er die kaiserlichen Truppen mehrmals, befreite das Herzogtum Württemberg von der kaiserlichen Besetzung und rang dem Kaiser erhebliche Zugeständnisse ab. Doch im Verlauf des schmalkaldischen Krieges brach seine Glückssträhne ab, seine Truppen wurden geschlagen und der Landgraf geriet in Gefangenschaft.
Landgraf Friedrich I. war mit der schwedischen Prinzessin Ulrike Eleonore verheiratet, die nach dem Tod des kinderlosen Königs Karl XII. den schwedischen Thron bestieg. Im Jahr 1720 dankte Ulrike Eleonore ab und machte den Weg frei zur Krönung ihres Ehemanns Friedrich zum König von Schweden. Die Kasseler Bürger waren so stolz, dass ihr Landgraf zum König eines bedeutenden europäischen Königreichs aufgestiegen war, dass sie eine zentrale Straße in der Stadt und einen zentralen Platz in „Königsstraße“ und „Königsplatz“ umbenannten. Diese heißen noch heute so und bilden die Kasseler Fußgängerzone.
Landgraf Friedrich II. besserte die Staatsfinanzen auf, indem er Teile seiner Armee an Großbritannien vermietete. So kam es, dass Truppen der Landgrafschaft Hessen-Kassel im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auf britischer Seite kämpften. Die hessischen Truppen galten als gefürchtete Elitekrieger. Ihr lateinisches Motto, das auf ihre Standarten genäht war, lautete „Nescit Pericula“ – es kennt keine Gefahren. Dennoch wurden die hessischen Truppen bei der Schlacht von Trenton von George Washington überlistet und trugen eine empfindliche Niederlage davon.

2. Marburg

Hessen
Historische Ansicht von Marburg aus dem Jahre 1605

Die pittoreske Stadt mit dem Imposanten Schloss stieg im Hochmittelalter zu einer der bedeutendsten Pilgerstätten Europas auf. Im Jahr 1228 siedelte die 21-jährige Witwe des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen nach Marburg um. Elisabeth war eine Tochter des ungarischen Königs. Obwohl sie zu den höchsten Adligen des Reiches zählte, entschied sie sich für ein Leben in Armut und Erniedrigung. Vom christlichen Glauben beseelt, verschenkte sie all ihre Besitztümer an die Armen und versorgte in einem Spital bei Marburg Kranke und Ausgestoßene. Für ihre radikale Auffassung des christlichen Glaubens und ihren standesungemäßen Lebensstil wurde sie von den Adeligen ihrer Zeit verachtet. Nach ihrem Tod brach ein regelrechter Pilgeransturm auf ihre Wirkensstätte und ihr Grab auf. Nur wenige Jahre später wurde sie vom Papst heilig gesprochen. Ihr zu Ehren wurde die Elisabethkirche in Marburg errichtet, die erste gotische Kirche in Deutschland. Für Jahrhunderte war Elisabeth eine der angesehendsten Heiligen. Mit der Reformation verlor der Elisabeth-Kult an Bedeutung. Die Reliquien mit ihren sterblichen Überresten gingen mit der Zeit verloren.

3. Dillenburg

Hessen
Dillenburg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian, 1655


Das beschauliche Fachwerkstädtchen am Westerwald war der Stammsitz des oranischen Zweiges des Hauses Nassau. Der in der niederländischen Nationalhymne besungene Wilhelm von Oranien wurde zum Führer des niederländischen Aufstandes gegen die Fremdherrschaft Spaniens im 16. Jahrhundert. Diesen Aufstand führte Wilhelm während seines Exils aus den Niederlanden direkt von Dillenburg aus und mithilfe von Geld der nassauischen Fürsten. In der Festung zu Dillenburg zog Wilhelm die diplomatischen und kriegstaktischen Fäden, sodass zeitweise sogar ein Überfall durch spanische Truppen befürchtet wurde. Die Unabhängigkeit der nördlichen Niederlande wurde erst im Westfälischen Frieden 1648 festgeschrieben. Der Wilhelmsturm in Dillenburg erinnert heute an dieses denkwürdige Kapitel der Geschichte. Die heutige Königin der Niederlande stammt aus dem Hause Nassau und die Stadt ist heute ein beliebtes Reiseziel von Niederländern.

4. Frankfurt

Hessen
Einzug Josephs II. in Frankfurt 1764, Johann Dallinger von Dalling


Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. von 1356 legte Frankfurt als Ort der Wahl des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation fest. Gewohnheitsrechtlich bildete es sich im Laufe der Zeit heraus, dass die Kaiser mehrheitlich im Frankfurter Dom auch gekrönt wurden. Dies geschah in einer aufwändigen Zeremonie, die mit einem feierlichen Zug vom Dom zum Römer und einem Festmahl im Römer abgeschlossen wurde. Eine der prächtigsten soll die Krönung Karls VII. im Jahr 1742 gewesen sein. Goethe erlebte die Krönung Josephs II. im Jahr 1765 und beschreibt diese beeindruckt in seiner Autobiografie „Dichtung und Wahrheit“.
Heute ist Frankfurt Sitz der Europäischen Zentralbank, die als eine der wichtigsten EU-Institutionen über die Stabilität der Währungsunion wacht.



5. Gustavsburg

Hessen
Gustavsburg mit Festung – Topographia Hessia von matthäus Merian, 1655


Dass der kleine Ort Gustavsburg in der Mainspitze, wo der Main in den Rhein fließt, eine Gründung des schwedischen Königs Gustav Adolf ist, wissen heute wahrscheinlich nur noch wenige. Im Jahr 1631, mitten im Dreißigjährigen Krieg, belagerte Gustav Adolf die alte Bischofsstadt Mainz, die von spanischen Truppen verteidigt wurde. Dazu ließ er an dieser strategisch wichtigen Stelle die Festung Gustavsburg errichten. Mainz war ein bedeutender Stützpunkt der katholischen Liga, der aus dem Weg geräumt werden musste, um weiter nach Süddeutschland vorzurücken. Von Norden her kamen den Schweden die Truppen des Landgrafen von Hessen-Kassel zur Unterstützung. Um Mainz vollständig zu umschließen, setzten die Schweden mit der Unterstützung einer schottischen Brigade ein ganzes Stück flussaufwärts über den Rhein und nahmen Oppenheim ein. Die spanischen und italienischen Truppen in der Stadt ergaben sich oder wurden niedergemetzelt. Kurze Zeit später ergaben sich auch die in Mainz eingeschlossenen Truppen.
Hier, am Zusammenfluss von Main und Rhein, trafen die Weltmächte Schweden, Spanien und das Deutsche Reich aufeinander.

Weiterleiten:

Anzeigen

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*