Helsingör – Die alte Wacht am Öresund

Helsingör
Schloss Kornborg aus der Luft. Foto: H.C. Steensen

Helsingör steht als alter Wachtposten des dänischen Königreichs für Geschichte, Kultur und den Übergang zur Moderne. Besucher kommen hier schon bei einem Tagesausflug voll auf ihre Kosten.

Strategisch günstig an der Nordspitze der Insel Seeland und an der schmalsten Stelle der Meerenge Öresund gelegen, kam Helsingör schon früh eine wichtige Bedeutung zu als Wachtposten und Zollstation für die viel befahrene und häufig umkämpfte Passage des Öresund. Eine erste Festung ließ hier König Erik VII. im Jahre 1420 errichten, um den Sundzoll zu erheben. Sein heutiges Aussehen im Stil der nordischen Renaissance erhielt Schloss Kronborg 1574-1585 unter König Friedrich II. Im späten 17. Jahrhundert wurde der imposante sternförmige Festungsring angelegt. Das auf einer vorgelagerten Insel gelegene Schloss kann man mitsamt den Kasematten besichtigen. Die Innenausstattung hält nicht ganz, was die reich verzierten Außenfassaden versprechen. In zahlreichen doch recht spärlich ausgestatteten Räumen erfährt man einiges über das Leben des Königshofs in dem Schloss. Höhepunkte sind der große Rittersaal und die reichlich mit Gold dekorierte Schlosskapelle. Die Kanonen, die von den Wällen auf die schwedische Küste gerichtet sind, stellen natürlich nur noch Artefakte aus vergangenen Epochen dar. Heute sind die einstigen Feinde im europäischen Staatenbund befreundete Nachbarn.
Dass Schloss Kronborg die eindrucksvolle Kulisse für Shakespeares Drama Hamlet bildet, wird wahrscheinlich ein Faktor gewesen sein, der die UNESCO dazu bewog ihm das Prädikat Weltkulturerbestätte zuzusprechen.

Wo Zug und Schiff sowie alt und neu aufeinandertreffen
Helsingör hatte einst einen relativ großen Hafen. Gleich am Hauptbahnhof legen noch heute täglich in enger Taktung Fähren an und ab zur Überfahrt nach Schweden. Die schwedische Hafenstadt Helsingborg ist nur 4,75 Kilometer entfernt. Der nördliche Teil des Hafens hat eine sehenswerte neue Nutzung erhalten. Hier befindet sich das Areal des „Kulturhavn“ mit dem modernen Gebäudekomplex der Kulturwerft. Wo einst Schiffe gebaut wurden, steht heute ein schickes Glasgebäude, das Konzert- und Theatersäle, die Stadtbibliothek, ein Café-Restaurant und das Werftmuseum beherbergt. Das alte Trockendock wurde so umgestaltet, dass es mit Rampen und gläsernen Galerien als Eingang zu den unterirdischen Ausstellungshallen dient. Der Eintritt zum Museum, das die Geschichte der Werft erzählt, ist frei.
Geheimtip: Im Restaurant im Erdgeschoss des Kulturwerft-Gebäudekomplexes bekommt man einen leckeren selbst gemachten dänischen Hamburger. Die Preise sind für dänische Verhältnisse in Ordnung und man kann durch die großen Glasfenster bei jedem Wetter den Blick auf die Piers des alten Hafens und die ein- und ausfahrenden Fähren werfen.

Altstadtflair und eine besondere Orgel
Ein Besuch in Helsingör wäre jedoch unvollständig ohne einen Bummel durch die pittoreske Altstadt südwestlich des Hafens. Die schmuckvollen Fassaden und Altbauten sind in gutem Zustand und laden zum Verweilen ein. Höhepunkt sind hier das Karmliterkloster aus dem 15. Jahrhundert und die Kirche St. Marien. An ihrer prächtigen Orgel war der Komponist und Bach-Lehrer Dietrich Buxtehude Organist. Wenn man noch Zeit hat, bietet sich ein Abstecher zu dem am Ortsrand gelegenen Schloss Marienlyst, eine kleine Perle klassizistischer Architektur, die im Jahr 1760 in ihrer heutigen Form entstanden ist.

Von Kopenhagen bietet sich Helsingör als Tagesausflug an. Es liegt nur 49 Kilometer entfernt und ist über die Autobahn E47 angebunden. Auch eine Zugverbindung ist vorhanden. Geheimtip: Wer nicht den ganzen Tag in Helsingör verbringen will und noch etwas Zeit übrig hat, kann über die Bundesstraße 6 weiter fahren ins 14 Kilometer entfernt gelegene Fredensborg. Dort kann man das gleichnamige Barockschloss besichtigen. Die exquisit eingerichteten Innenräume des Schlosses sind nur im Monat Juli der Öffentlichkeit zugänglich, da die Residenz von der Königsfamilie genutzt wird. Der ausgedehnte Landschaftspark, der sich malerisch an den Esrum-See schmiegt, ist das ganze Jahr über frei zugänglich.

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