5 Geheimnisse des Grand Central Terminal

Grand Central Terminal, Grand Central Station
Grand Central Terminal auf einer Postkarte von 1915

Ein Sondergleis für den Präsidenten, ein italienischer Palazzo und der geheimste Keller New Yorks. Der Grand Central Terminal behütet alte Geheimnisse und überraschende Orte.

An der Stelle des Grand Central Terminal war bereits im Jahre 1871 ein großer Sackbahnhof mit einer prächtigen Fassade im Stil der Neo-Renaissance, das Grand Central Depot, errichtet worden. Doch da die Stadt immer weiter wuchs und der Bahnhof an die Grenzen seiner Kapazitäten stieß, kamen findige Investoren auf die Idee, einen neuen Bahnhof zu errichten und die Gleise unter die Erde zu verlegen. Auf diese Weise konnte man noch mehr Bauland nutzen und noch mehr Profit machen. Von 1903 – 1913 wurde das Grand Central Depot, nach nur 32-jähriger Nutzung und einer umfassenden Erneuerung, kurzerhand abgerissen und in den darauf folgenden Jahren durch den Grand Central Terminal ersetzt, den mit 44 Bahnsteigen größten Bahnhof der Welt. In seiner mächtigen und eleganten Konstruktion schlummert so manches erstaunliche Detail.

1. Ein Kopfbahnhof, wo man nicht rückwärts fahren muss
Die Gleise, die durch Tunnel unter der Park Avenue von Norden her in den Bahnhof führen, enden auf zwei Ebenen an Gleisabschlüssen. Doch wenn der Lokführer das äußerste Gleis auf einer der beiden Seiten anfährt, kann er aus dem Bahnhof wieder herausfahren, ohne den Rückwärtsgang einlegen zu müssen oder den Führerstand wechseln zu müssen. Das Gleis führt in einem großen Bogen hinter Bahnsteigen um den ganzen Bahnhof herum und führt den Zug in umgekehrter Richtung wieder heraus. Es ist ein reines Wendegleis.

Grand Central Terminal, Grand Central Station
Ein alter Plan des Grand Central Terminal zeigt das Wendegleis ganz links

2. Eine verborgene Treppe inmitten der Eingangshalle
Steht man vor dem Informationsschalter in mitten der großen Eingangshalle, ist man schon nah dran. Trotzdem wird man diese Treppe nicht finden, selbst wenn man ganz genau hinschaut. Sie ist eingebaut in die kleine Säule, die die berühmte Uhr trägt inmitten des Informationsschalters. Nur das Bahnhofspersonal kann eine verborgene gewölbte Tür in der Säule öffnen. Dahinter liegt eine Wendeltreppe, die direkt in den Informationsschalter in der Halle eine Etage tiefer führt.

Grand Central Terminal, Grand Central Station.
Direkt unter der Säule mit der Uhr befindet sich die verborgene Treppe. Foto: Diliff & Janke

3. Ein italienischer Palazzo im Bahnhofsgebäude
Kaum zu glauben, aber wahr. Im Grand Central Terminal befindet sich ein Raum, der komplett im Stil eines italienischen Palazzos des 14. Jahrhunderts inklusive reich verzierter Balkendecke konzipiert und dekoriert wurde. Der Raum wurde im Jahr 1923 für den Bankier John Campbell als Büro geschaffen. Auch wenn Campbell dort nicht gewohnt, sondern nur gearbeitet hat, wird der Raum als Campbell-Apartment bezeichnet. Darin befindet sich heute eine gleichnamige Bar.

Grand Central Station, Grand Central Terminal
Das Campbell Apartment im Jahr 1923

4. M-42 – Der geheimste und tiefste Keller New Yorks
Tief im Erdreich, 27 Meter unter der untersten Ebene des Bahnhofs, liegt ein Raum, der so geheim ist, dass er nicht mal auf den Bauplänen verzeichnet ist und dass seine Existenz erst in 1980er Jahren der Öffentlichkeit bekannt wurde. In dem Raum mit der Bezeichnung M-42 befinden sich die alten Transformatoren, über die während des Zweiten Weltkriegs der gesamte Nordosten der USA mit Strom versorgt wurde. Das Entleeren eines Sackes Sand über den Transformatoren hätte ausgereicht, um einen Großteil der inländischen Truppenbewegungen lahmzulegen. Deswegen wurde der Raum, der der tiefste in ganz New York ist, geheim gehalten und dauerhaft bewacht. Als im Jahr 1942 ein deutsches U-Boot drei Spione auf Long Island absetzte, zählte dieser wichtige Infrastrukturpunkt wahrscheinlich zu den Zielen einer geplanten Sabotage-Aktionen. Über das Auskundschaften der Eingangshalle des Grand Central Terminal kamen die deutschen Spione allerdings nicht hinaus. Das FBI kam ihnen auf die Schliche und nahm sie fest.
Zwei der alten Transformatoren stehen noch heute in dem Raum als Relikte vergangener Zeiten.

Grand Central Station
Der Transformator-Raum M-42 befindet sich tief unter dem Grand Central Terminal und ist der tiefste Raum New Yorks. Risszeichnung aus dem Buch „Gateway to a Continent“ von 1939




5. Gleis 61 – Das präsidiale Sondergleis
Ursprünglich zu industriellen Zwecken gebaut, ranken sich zahlreiche Mythen um das Nebengleis 61. Die Industriegebäude, die mit diesem Gleis angeschlossen waren, wurden schon früh abgerissen, um Platz zu machen für das elegante Waldorf Astoria-Hotel. Ein Frachtenaufzug direkt neben dem Gleis brachte einst prominente Gäste unerkannt auf die Ebene der Hotel-Garage. Auch Präsident Franklin Delano Roosevelt kam hier mit dem Zug an, höchstwahrscheinlich um eine körperliche Behinderung zu verbergen. Der Präsident litt nämlich unter Polio und konnte aufgrund von Lähmungen nicht mehr eigenständig gehen. Doch es gelang ihm, diesen Umstand vor der Öffentlichkeit weitgehend verborgen zu halten. In heutiger Zeit wäre das nicht möglich. Wenn der Präsident auf Gleis 61 einfuhr, wurde eine Rampe an seinen Zug gelegt, über die sein Wagen aus dem Zug rollen konnte und hinein in den Aufzug. Somit konnte der Präsident ins Hotel gelangen, ohne aufstehen zu müssen.
Nach dem Krieg entdeckte man auf dem Gleis einen alten rostigen Wagen in blauer Lackierung. Aufgrund der starken Achsen und der Panzerung des Wagens gehen Historiker davon aus, dass der Wagen zum Transport von Präsident Roosevelts Limousine genutzt wurde.

Grand Central Terminal, Grand Central Station
Die Herkunft des Wagens konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden, doch vermutlich gehörte er zum Zug des Präsidenten. Foto: Sam Horine/Gothamist

Kennst du noch weitere spannende Geschichten über den Grand Central Terminal oder andere Bahnhöfe? Hast du Lob, Anregungen oder Kritik zu diesem Beitrag. Dann lass es uns wissen in den Kommentaren.

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