Mozart – Das missachtete Genie

Mozart
Wolfgang Amadeus Mozart mit Schwester Maria Anna und Vater Leopold. Gemälde von Johann Nepomuk della Croce, 1780.

Seine Werke begeistern bis heute Menschen auf der ganzen Welt. Doch zu Lebzeiten hatte es Mozart schwer und der wirtschaftliche Erfolg blieb aus.

Alles begann sehr vielversprechend für den hochbegabten Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Der Vater, Leopold Mozart, der selbst ein angesehener Musiker war, erkannte das unglaubliche Talent seines Sohnes und wollte daraus Profit schlagen. So ging er mit dem Wunderkind Mozart, das bereits mit vier Jahren ein erstes Kalvierkonzert komponiert hatte und mit 12 Jahren Symphonien komponierte, und der ebenfalls sehr begabten Schwester Nannerl  auf Tournee durch Europa. In Wien saß der junge Mozart der Kaiserin Maria Theresia auf dem Schoß, in Paris spielte er dem König vor, in Italien war man begeistert von dem Wunderkind und im Rom wurde ihm die Ehre eines vatikanischen Ritterschlags zum Ritter vom Goldenen Sporn zuteil. Man möchte meinen, Mozart war also schon von Kindesbeinen an eine Art Popstar seiner Zeit. Doch es sollte ganz anders kommen.

Keine Vakanz für den großen Meister
Das gute Geld aus den Konzertreisen war schnell wieder verkonsumiert. Nur eine gute Anstellung konnte dem jungen Musiker ein dauerhaftes Einkommen sichern. Vom Arbeitgeber seines Vaters, dem Salzburger Erzbischof Colloredo, konnte Mozart leider nicht allzuviel erwarten. Dieser verschaffte ihm zwar eine bescheidene Stelle an seinem Hof, doch Mozarts Genie erkannte Colloredo nicht und wusste er zeitlebens nicht richtig zu schätzen. Auch als Mozart beim bayrischen Kurfürsten in München anklopfte, hatte er kein Glück. Man habe leider keine Vakanz. Letztenendes schaffte es Mozart, sich in Wien mit diversen Aufträgen über Wasser zu halten und sogar gute Einkünfte zu erzielen. Doch auch dort litt er unter permanenten Intrigen seiner Konkurrenten am kaiserlichen Hofe. Trotz seines unermüdlichen Schaffens kam es, dass der Schöpfer großartiger Werke wie der Zauberflöte und dem Requiem zeitlebens knapp bei Kasse war und immer wieder Freunde um Hilfe bitten musste.

Mozart
W. A. Mozart im Alter von 21 mit dem Orden vom Goldenen Sporn. Gemälde eines unbekannten Künstlers.

Größtes Genie in größter Geldnot
Wie kommt es, dass Mozart trotz seines enormen Talents zeitlebens immer wieder in Geldnot war? An seinem Wohnort lag es nicht, denn Wien war als kaiserliche Residenzstadt eines der bedeutendsten kulturellen Zentren der Welt zu dieser Zeit. Auch schätzten die Menschen seine Werke sehr. So schrieb das zeitgenössische Journal des Luxus und der Moden: „Nie hat ein dramatisches Produkt bei irgendeiner Nation ein allgemeineres Glück gemacht als Mozarts unsterbliches Werk ‚Die Zauberflöte‘.“
Ein Faktor war wahrscheinlich die Tatsache, dass Mozart mehr Künstler als tüchtiger Geschäftsmann war und einmal verdientes Geld bald wieder ausgab. Ein anderer, noch viel bedeutenderer Faktor, ist die Tatsache, dass es zu jener Zeit nicht ansatzweise die Verwertungsmöglichkeiten für Musik gab, die uns heute mit Selbstverständlichkeit umgeben. Es gab keine Tonträger und Druckereierzeugnisse verbreiteten sich auch nicht so stark wie heute. Im Gegensatz zu heute, wo wir Musik per Knopfdruck hören können und sich selbst Mittelmäßiges rasant im Internet verbreiten und eine Zuhörerschaft finden kann, war Musik im 18. Jahrhundert etwas besonderes und häufig auch einmaliges. Konzerte wurden für einen bestimmtes Anlass komponiert, dort gespielt und danach mitunter nie wieder aufgeführt – bis zu ihrer Wiederentdeckung in späteren Epochen. Deswegen konnte ein Mozart, der sicher als einer der  größten Komponisten, ja eines der größten Genies der Menschheitsgeschichte einzuschätzen ist, keinen nachhaltigen Profit aus seinen Werken schöpfen, wie es heute so manchen Pop- und Rockstars doch sehr gut gelingt. Und damit war er nicht der einzige. Sein Kollege Antonio Vivaldi, dessen „Vier Jahreszeiten“ heute jeder kennt, war bereits zuvor in derselben Stadt verarmt gestorben.

Schlussakt mit Ironie
Der letzte Akt in Mozarts erstaunlichem Werdegang ist dann auch eine besondere Ironie der Geschichte. Von einem anonymen Auftraggeber hatte Mozart den Auftrag für ein Requiem erhalten. Bei dieser Komposition zeigte sich der sonst so heitere Mozart von einer zutiefst ernsten Seite. Überaus einfühlsam verarbeitete er darin musikalisch das Thema Tod und verstarb selbst noch vor Fertigstellung der Totenmesse. Die Todesursache war wahrscheinlich eine Seuche. Genau weiß man es nicht, da die Ärzte jener Zeit in medizinischen Dingen weitgehend ahnungslos waren.
Mozart starb im Alter von 35 Jahren. Er zählte nie zu den reichen Menschen. Doch sein Ruhm als Komponist strahlt durch die Jahrhunderte weit über sein Leben hinaus.

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