Hitlers vergessenes Führerhauptquartier Adlerhorst im Taunus

Führerhauptquartier Adlerhorst
Überreste des Sendebunkers an der Römerschanze

Verborgen in den Wäldern des Taunus liegen die Überreste eines Führerhauptquartiers, das für dramatische Taten bestimmt war und doch in Vergessenheit geriet. Mit findigen Tricks tarnten die Erbauer den Adlerhorst.

Von 1939-40 wurde in Ziegenberg im Taunus das Führerhauptquartier Adlerhorst unter strengster Geheimhaltung errichtet. Das Bauvorhaben führte die Organisation Todt unter dem Decknamen „Bauvorhaben Mühle“ durch mit dem Ziel, ein gut befestigtes und getarntes Hauptquartier für die Oberste Heeresleitung für die geplante Invasion Großbritanniens (Operation Seelöwe) zu errichten.
Der Krieg entwickelte sich jedoch anders als erwartet. Nach der Raschen Eroberung Frankreichs durch flexible Panzerverbände der Wehrmacht und der Evakuierung der britischen Truppen aus Dünkirchen, sollte der Krieg zunächst in der Luftschlacht um England weitergehen. Zur Invasion Großbritanniens kam es nie. Damit verlor der Adlerhorst seine Bedeutung und Teile der Anlage wurden als Genesungsheim genutzt. Erst zum Ende des Krieges sollte die Anlage wieder als Hauptquartier genutzt werden und sogar in Kampfhandlungen verwickelt werden.

Führerhauptquartier Adlerhorst
Plan der Hauptanlagen des Führerhauptquartiers Adlerhorst, Kartengrundlage Openstreetmaps

Anlage mit trickreicher Tarnung
Um die Anlage des Führerhauptquartiers vor den Alliierten zu verbergen, griffen die Erbauer auf einige einfallsreiche Tricks zurück. Die Kernanlage bestand aus 7 Gebäuden: dem sogenannten Führerhaus, Casino, OKW-Haus (OKW: Oberkommando der Wehrmacht), Generalshaus, Pressehaus, Reichsleiterhaus und einem Wachhaus. Diese Anlage befand  sich etwa 1,8 Kilometer nördlich von Ziegenberg in der heutigen Ortschaft Wiesental, die damals noch nicht existierte.
Die Gebäude waren alle in Form von zweigeschossigen Bunkern gebaut. Das heißt sie lagen oberirdisch, bestanden aber aus massiven Betonwänden. Um sie zu tarnen, hatten sie die Form von herkömmlichen Häusern mitsamt Satteldach. Die Dächer waren mit Biberschwanzziegeln gedeckt, die Außenwände mit Bretterschalung verkleidet und die Sockel mit Natursteinen verblendet. Von Weitem sahen die Häuser aus wie ganz normale Landhäuser, wie man sie überall in Deutschland findet.
Die gesamte Anlage war von einem Maschendrahtzaun von ca. 2,50 Metern Höhe umzäunt. Wer sich der Anlage unbefugt näherte, wurde von den Wachen oder der Polizei verdachtshalber festgenommen und befragt.

Auch die gesamte Ortschaft Ziegenberg war mit ihrem Schloss und historischen Gebäuden in den militärischen Komplex des Führerhauptquartiers Adlerhorst einbezogen. Hier befanden sich Luftschutzbunker und -Stollen, ein Fahrbereitschaftshaus, Kraftfahrzeughalle, Tankstelle, Lagerhalle und ein Wachhaus. Das Schloss war mit Tunneln mit manchen der umliegenden Bunkern verbunden. Alle diese Gebäude lagen in und um den Ort verstreut und waren allesamt als zivile Wohnhäuser und Gutshöfe getarnt. Manche davon stehen noch heute.
In diesen Gebäuden befanden sich auch Dienst- und Lagerräume, Schlafräume,  Stromaggregate und eine Heizzentrale.
An dem Wachhaus gleich am Ortseingang von Ober-Mörlen her kommend befand sich ein Schlagbaum. Jeder, der hier passieren wollte, musste einen gültigen Ausweis vorzeigen.

In der nahen Umgebung befanden sich des weiteren zwei Sendehäuser, eines auf dem Eichberg und eines bei der Römerschanze. Diese waren Bunker mit 60 cm dicken Wänden, die als Blockhäuser getarnt waren und als Sendestationen dienten.

Führerhauptquartier Adlerhorst
Ansicht eines Luftschutzbunkers in Ziegenberg. Gut erkennbar ist die Tarnung durch eine Natursteinfassade und ein einst mit Schindeln gedecktes Satteldach. Das Dach und die Fassade sind bei einem Bombenangriff abgeplatzt und geben den Blick frei auf den Betonkern. Bild: Tadam, Wikipedia.

Gegen Angriffe gewappnet
Obwohl das Führerhauptquartier Adlerhorst gut getarnt war, traf man auch Vorsorge für den Fall eines Angriffs. Die größte Bedrohung bestand in Luftangriffen. Dagegen errichteten die Erbauer auf den Bergen in der Umgebung von Ziegenberg insgesamt 29 Flugabwehrstellungen in Form von Flakbunkern, das heißt halb in die Erde eingelassenen massiven Unterständen.
In den Orten Ziegenberg, Langenhain und Kransberg errichtete man zum Schutz der Zivilbevölkerung getarnte Luftschutzbunker und -Stollen.
Zum Ende des Krieges sollte die Bedrohung aus der Luft in Ziegenberg tödliche Realität werden.

Führerhauptquartier Adlerhorst
Ein zugeschütteter Flakbunker nördlich von Ziegenberg

Hitler bezieht Quartier im Adlerhorst
Am 6. Juni 1944 landeten alliierte Truppen in der Normandie und drängten die deutschen Truppen in den darauf folgenden Monaten immer mehr gen Osten bis zu den Ardennen und Vogesen zurück. Daher wurde das Oberkommando der Wehrmacht-West am 14. Oktober 1944 per Stabsbefehl in den Adlerhorst verlegt. Nun wurden auch die Tarnmaßnahmen intensiviert. Alle Dächer wurden mit grün angestrichenen Brettern bedeckt und mit Bäumen versehen. Die Konturen der Giebel wurden mit geschwungenen Tarnmatten kaschiert. Auch die Straßen wurden mit Gerüsten versehen, auf die man Tarnmatten legte und Bäume befestigte, sodass LKW ungesehen darüber fahren konnten.
Als nun auch die Vorschriften und Kontrollen für die Wachmannschaft immer strikter wurden, ahnten die Soldaten, dass Prominenz kommt. Tatsächlich bezog Hitler vom 10. Dezember 1944 bis zum 16. Januar 1945 im Adlerhorst Quartier. Die Größen des Nazi-Regimes wie Martin Bohrmann und Albert Speer gingen in diesen Tagen hier nun ein und aus. Zur Erleichterung mancher Wehrmachtssoldaten wurde die Wachmannschaft bald auch von der SS abgelöst.

Führerhauptquartier Adlerhorst
Hitler nimmt im Adlerhorst am 1. Januar 1945 Neujahrswünsche entgegen

Das Führerhauptquartier unter Beschuss
Die Tarnmaßnahmen waren derart erfolgreich, dass die Alliierten offenbar erst im Oktober 1944 erstmals von der Existenz des Führerhauptquartiers Adlerhorst erfuhren. Das auch nur durch die Vernehmung deutscher Kriegsgefangener. Am 25. Februar machten US-Aufklärer erste Luftaufnahmen von der Gegend. Aus weiteren Vernehmungen erfuhren die Alliierten auch mehr über die genaue Beschaffenheit des Komplexes.
Am 19. März 1945, während der Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall Albert Kesselring, vom Alderhorst aus die letzten Widerstände des implodierenden Nazi-Regimes koordinierte, startete schließlich um 12:54 von einem Flugplatz bei Metz die 392. Schwadron der 367. Fighter Group der US-Luftwaffe bestehend aus 14 einmotorigen Jagdbombern vom Typ P-47 in Richtung Taunus. Als die Flugzeuge zwischen 13:35 und 13:55 das Zielgebiet um Ziegenberg erreichten, warfen sie rund 26.000 Pfund Spreng- und Napalmbomben dort ab und landeten um 14:47 wieder sicher und komplett auf dem Flugplatz Conflans. Zwei weitere Schwadronen warfen in kurzen Abständen danach weitere Bombenladungen ab.
Obwohl der Adlerhorst von Flakstellungen umgeben war und obwohl die Flugzeuge ihren Angriff in nur 30 Metern Höhe durchführten, erlitten nur zwei der Flugzeuge leichte Schäden durch Flakbeschuss.
Bei dem Angriff wurden 10 Menschen getötet. Die Opfer waren fast nur Zivilisten, das jüngste unter ihnen ein 12-jähriges Mädchen. Darüber hinaus wurden das Schloss sowie zahlreiche Gebäude des Hauptquartiers und der Ortschaft Ziegenberg weitgehend zerstört. Schon 11 Tage später, am 30. März, wurde Ziegenberg von den Alliierten kampflos eingenommen.

Ein Ende mit Spuren
Als die Alliierten Ziegenberg und das Führerhauptquartier Adlerhorst besetzten, fanden sie die Gebäude der Befehlszentrale im heutigen Ortsteil Wiesental vom Luftangriff unversehrt vor. Die Wehrmacht hatte lediglich alles Inventar mitgenommen oder zerstört und die Bunker in Brand gesetzt. Tatsächlich hatten die Alliierten trotz ihrer Aufklärungsflüge und Gefangenenvernehmungen nichts von der Existenz dieses Areals gewusst. Jetzt machten sie sich daran, die verbliebenen Gebäude der Befehlszentrale zu sprengen. Auch die Flakbunker wurden fast alle zugeschüttet.
Die Spuren des Führerhauptquartiers Adlerhorst findet man heute noch bei genauem Hinsehen in Form des Wachhauses und der Fahrzeughalle am Ortseingang Ziegenberg, des Luftschutzbunkers unterhalb des Schlosses Ziegenberg, der Ruine der Fahrbereitschaft  etwa nördlich davon, dem komplett erhaltenen Haus Nr. 7 nördlich des Schlosses Ziegenberg, einiger erhalten gebliebener Eingänge zu den Flakbunkern in der Umgebung und des weitgehend erhalten gebliebenen Sendebunkers an der Römerschanze. Auch findet man noch Reste von Wasserreservoirs in der Umgebung.
Das Areal der Befehlszentrale in Wiesental ist komplett überbaut worden und enthält keine Spuren mehr von seiner historischen Bedeutung.

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1 Kommentar

  1. Ich hätte das gerne gesehen, als sogar die Straßen getarnt wurden. Vielleicht gibt es irgendwo Fotos davon.

    Ein sehr spannender Artikel!

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