Petra und das Geheimnis einer untergegangenen Zivilisation

Der Felsentempel Ad Deir auf einem Berg über der Stadt Petra

Vor etwa 200 Jahren entdeckte ein schweizer Forscher die sagenumwobene Stadt Petra wieder. Doch sollte es noch lange dauern, bis sich die Zivilisation, die hinter den rätselhaften Gebäuden Petras steht, der Forschung erschloss.

Zwei Kilometer musste er durch eine Schlucht wandern, die mal enger, mal weiter wird, bis durch eine schmale Öffnung im Felsen die reich verzierte Fassade des wahrscheinlich schönsten Gebäudes in Petra zu sehen ist.  Was dem Abenteurer Jean-Louis Burckhardt wohl durch den Kopf gegangen ist, als er an einem heißen Augusttag des Jahres 1812 als erster Europäer nach 700 Jahren vor dem Schatzhaus stand? War er überwältigt von der geheimnisvollen Schönheit der in Stein gemeißelten Prunkfassade? War er glücklich, diese bedeutende antike Stätte für das Abendland wiederentdeckt zu haben? War er ungeduldig, die sich kilometerweit erstreckende Anlage aus Schluchten und Tälern zu erkunden? Der Anblick der Relikte der lange untergegangen Zivilisation der Nabatäer wird ihn sicherlich tief berührt haben.

Raffinierte Techniken in der Wüste
Wer waren die Menschen, die in dieser faszinierenden steinernen Stadt gelebt haben? In ihrer Blütezeit war Petra ein internationales Handelszentrum. Die Nabatäer waren erfolgreiche Kaufleute und prägten auch eigene Münzen. Regiert wurde ihr Reich von Königen mit Namen wie Rabel, Aretas und Obodos. Die monumentalen Tempel und Gräber zeugen von der Religiosität der Nabatäer, die an verschiedene Götter glaubten.
Geschickte Ingenieure müssen sie ebenfalls gewesen sein. Um das Leben in Prunk und Annehmlichkeit mitten in dieser wüstenartigen kargen Felslandschaft möglich zu machen, ließen sie sich so manche Raffinesse einfallen. In den Fels gehauene Wasserleitungen und Tonrohre führten Wasser aus nahe gelegenen Quellen herbei. Dadurch erklärt sich, dass römische Geschichtsschreiber von Gärten und Brunnen in der Stadt zu berichten wissen.
Auch die Gefahr von Sturmfluten in der engen und langen Zugangsschlucht haben die Erbauer Petras vorhergesehen und Vorkehrungen dagegen getroffen. Vor dem Eingang der Schlucht errichteten sie einen Damm und trieben einen großen Abflusskanal durch den Stein, sodass bei starken Regenfällen das Wasser einfach in ein nahe gelegenes Tal abfließt.

Das Ende einer Großmacht
Aus historischen Quellen wissen wir außerdem, dass die Nabatäer ihre Interessen in der Region auch militärisch durchsetzten und sich zu verteidigen wussten. Im Falle eines Angriffs einer überlegenen Armee verließen sie die Stadt kurzerhand und zogen sich in die Wüste zurück. Dort hatten sie geheime Wasserreservoire angelegt und die Zugänge übertüncht. Dadurch konnten sie in der Wüste überleben und nicht so einfach dorthin verfolgt werden.
Dennoch wurde das Reich der Nabatäer im Jahre 106 von einem noch mächtigeren Spieler in der Region annektiert: dem römischen Reich. Es bestand als römische Provinz Arabia Petraea noch eine Weile weiter. In der Spätantike zog in Petra auch der christliche Glaube ein, wovon die Fresken der byzantinischen Kirche noch heute zeugen. Doch ein schweres Erdbeben im Jahr 363 läutete das Ende des städtischen Lebens in Petra ein. Die Skelette einer Frau und Kindern sowie ein daneben gefundener Münzschatz erzählen die Geschichte von Menschen, die während des Bebens noch versuchten ihre Wertsachen in Sicherheit zu bringen. Weitere Erdbeben und die Eroberung der Region durch die Araber im Frühmittelalter führten dazu, dass die letzten Bewohner Petras die Stadt verließen und dem Verfall preisgaben.

Die monumentalen Bauten der Nabatäer überdauerten jedoch die Jahrhunderte. Ihre morbide Schönheit kündet von der Blütezeit ihrer lange unter gegangenen Zivilisation.

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