6 Realismusfehler über Deutschland in Homeland

Homeland
Foto: Jim Fiscus/SHOWTIME

Homeland ist eine klasse Serie. In der 5. Staffel bringen die Macher die Geschehnisse nach Deutschland. Leider haben sie sich nicht viel Mühe gegeben, die Verhältnisse hier realistisch darzustellen.

Achtung Spoiler. Lies nur weiter, wenn du die 5. Staffel von Homeland bereits gesehen hast oder niemals sehen willst.

Von der US-Serie Homeland sind wir spannende Handlungsstränge aus der Welt der Spionage verknüpft mit sozialkritischen Tönen gewohnt. Umso erwartungsvoller war ich, als ich erfuhr, dass die 5. Staffel in Deutschland spielt. Leider haben sich die Drehbuchautoren offenbar nicht tiefer gehend mit unserer politischen Kultur befasst und auch keinen deutschen Lektor eingesetzt. Keine Frage, die 5. Staffel ist spannend wie eh und je und die Schauspieler leisten große Arbeit. Doch an manchen Stellen musste ich lachen über die groben Patzer, die sich die Drehbuchautoren leisten. Klar als Deutscher hat man einen anderen Blick auf die Serie vor der Kulisse unserer Heimat und als Politikwissenschaftler noch dazu. Aber wenn die Darstellung der deutschen Polizei- und Geheimdienstarbeit in der Serie zuträfe, wäre es doch sehr traurig um unser Land und die Menschenrechtssituation bestellt. Gut, dass es nur Fiktion ist. Liebe Amerikaner, wir sind nicht so schlimm, wie ihr uns darstellt.

1. Geografie ist nicht so euer Ding
In einer Szene bittet Carry die CIA-Stationsleiterin in Berlin, Alison, um ein Treffen bei Hamburg. Alison antwortet daraufhin schützend, das sei eine fünfstündige Fahrt mit dem Auto. Ein Blick auf Google Maps hätte gezeigt, dass es 2:40 mit dem Auto und 1:40 mit dem Zug sind.
In einer anderen Szene soll Alison im Kofferraum eines Autos von Berlin nach Russland geschmuggelt werden. Die russische Agentin sagt zu ihr, es seien nur dreieinhalb Stunden Fahrt. Wenn der Kofferraum wieder geöffnet wird, würde Alison den Himmel über Russland sehen. Angenommen die Agentin bezieht sich mit ihrer Angabe auf die russische Enklave Kaliningrad, welche Russland vorgelagert zwischen Polen und Litauen liegt, wären dies noch über 600 Kilometer Distanz, rund 7 Stunden Fahrt im Auto ohne Pausen. Nach dreieinhalb Stunden Fahrt ist man irgendwo in Polen. Die russische Grenze liegt für die Amis also näher an Berlin als Hamburg.

2. Wer kennt die Universität der Technik?
Die Spur zu einem bevorstehenden Anschlag führt zu einem Professor an der TU Berlin. Alison fragt nochmal auf Deutsch nach: „Die Universität der Technik?“ Kein Deutscher würde eine Technische Universität als Universität der Technik bezeichnen.

3. Hurra, der BER ist eröffnet!
Die deutschen Behörden erhalten den Hinweis, dass ein Giftgasanschlag in Berlin stattfinden soll. Ziel ist der Flughafen Berlin-Brandenburg-International (BER). Aber der ist doch noch gar nicht eröffnet und wird es auf absehbare Zeit nicht sein. Egal, einfach ein paar Koffer in die leere Halle legen und Statisten dort rumlaufen lassen.

4. Der BND darf alles
Der Bundesnachrichtendienst ist Deutschlands Auslandsgeheimdienst, dessen Aufgabe hauptsächlich in der Beschaffung von Informationen über Entwicklungen im Ausland besteht. Bei Homeland wird der BND zum übermächtigen Geheimdienst, der sich auch in innere Angelegenheiten einmischt, Menschen festnehmen darf und verhören darf. Eine Schreckensvision des deutschen Rechtsstaats. Offenbar haben die Drehbuchautoren einfach ihr Verständnis der amerikanischen Geheimdienste auf Deutschland übertragen.

5. Die Kanzlerin holt mal eben die Bundeswehr zur Hilfe
In einer Szene kurz vor dem drohenden Giftgasangriff erzählt Saul seiner Kollegin Carry, dass die Kanzlerin die Bundeswehr zum ersten Mal seit dem Ende des Krieges im Inland einsetzen würde. Offenbar ist den Drehbuchautoren nicht bewusst, dass der Einsatz von Militär im Inland in Deutschland ein sehr heikles Thema ist und dass die Bundeswehr von der Bundesregierung nur in einem extremen Ausnahmefall im Inland eingesetzt werden darf. Und zwar „zur Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand oder die freiheitliche demokratische Grundordnung des Bundes oder eines Landes“, Artikel 87a GG. Dass ein einzelner drohender Terroranschlag selbst mit Giftgas dafür qualifiziert, ist äußerst fraglich.

6. Die Deutschen, das Schlimmste, was dir passieren kann
In der absurdesten Szene musste ich losprusten vor Lachen. Saul verhört einen Verdächtigen, der etwas über den bevorstehenden Terroranschlag wissen soll. Als dieser keine brauchbaren Informationen liefert, droht Saul ihm. Er solle endlich anfangen zu reden, ansonsten würde er ihn den Deutschen übergeben -also dem deutschen Geheimdienst- und er wisse ja, was das bedeutet. Ich musste lachen, weil die Drohung so leer ist. Was sollen die Deutschen denn tun? Ihn ganz hart ran nehmen? Ihn foltern? Seine Verhaftung ist nach deutschem Recht ohnehin illegal. Liebe amerikanische Drehbuchautoren, deutsche Geheimdienste und Polizei machen so etwas nicht. Bei uns gelten die Menschenrechte.

Weiterleiten:

Anzeigen

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*