Mont Royal – Das versunkene Bollwerk des Sonnenkönigs

Mont Royal

Sie war die größte Festung ihrer Zeit und sie sollte die Ostgrenze des französischen Königreichs absichern. Heute sind von Mont Royal nur noch verschüttete Ruinen übrig. Wie kam es dazu?

Für Besucher des kleinen Moselstädtchens Traben-Trarbach deutet zunächst nichts darauf hin, dass auf einem Berg über der Stadt einst die mächtigste Festung des Königreichs Frankreich stand. Doch davon, dass es die Festung Mont Royal in erstaunlichen Ausmaßen wirklich gab, zeugen nicht nur historische Dokumente, sondern auch die Ruinen, die sich in einem Waldstück auf dem gleichnamigen Berg finden. Wer sich auf Entdeckungstour dorthin begibt, dem offenbart sich das Geheimnis dieses rätselhaften Ortes.

Heimatforscher entdeckt die Festung wieder
Dass wir die rätselhaften Gänge und Keller auf dem Mont Royal heute deuten können, haben wir dem Heimatforscher Dr. Ernst Willen Spies zu verdanken. Dieser hatte sich vorgenommen, das Geheimnis der Ruinen zu lüften, und recherchierte zu diesem Zweck 1929 in Pariser Staatsarchiven. Dort fand er tatsächlich die Pläne der Festung und kopierte diese auf Transparenzpapier. Anhand dieser Pläne konnte Spies dann in den 30er Jahren erste Ausgrabungen durchführen. Die Ausmaße dessen, was er fand, müssen ihn in Erstaunen versetzt haben. Was ist die Geschichte dieses Ortes?

30 Meter hoch waren die Mauern von Mont Royal. Heute sind die Flächen vor den Mauern teilweise aufgeschüttet und die Mauern überwuchert.

Ausgangsbasis für Eroberungspolitik
Im Zuge der Eroberungskriege König Ludwigs XIV. ließ der König Die Festung Mont Royal in den Jahren 1687-1698 nach Plänen seines Festungsbaumeisters Sébastien Le Prestre de Vauban errichten. Der Standort der Festung lag außerhalb Frankreichs und ließ die Absicht einer Expansion nach Osten erkennen. 1600 Meter lang, 750 Meter breit, mit 5 Bastionen und 30 Meter hohen Außenmauern sollte die Festung Platz für eine Garnison von 8450 Soldaten und 3000 Kavalleriepferden bieten. Das Festungsareal glich einer Stadt und war doppelt so groß wie die Festungen Luxemburg und Saarlouis. Sogar eine eigene Mühle, 22 Bäcker und zwei Perückenmacher waren hier beschäftigt. Bei der Sicherung der Zugänge zum Festungsbereich kamen neuste bauliche Techniken zum Einsatz. Mont Royal war die größte und mächtigste Festung Europas. Warum zerfiel sie in Ruinen?

Historischer Plan der Festung Mont Royal von 1693.




Jähes Ende der Großmachtfantasien
Obwohl die Festung ein Ehrfurcht gebietendes Bollwerk war und ihr Bau enorme Summen des französischen Staatshaushalts verschlang, hatte sie nicht lange Bestand. Doch die Festung fiel keiner Belagerung oder Zerstörung durch feindliche Truppen zum Opfer. Sie wurde nie angegriffen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Diplomatie und politisches Geschacher die größte Festung Europas zu Fall brachten. Mit dem Frieden von Rijswijk 1697 wurde der pfälzische Erbfolgekrieg beendet. Einer der Verträge, die im Zuge dessen geschlossen wurden, war jener zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich. Darin wurde festgelegt, dass Frankreich all seine Eroberungen in Deutschland zurückgeben musste, außer dem Elsass. Damit diese moderne und mächtige Festung nicht in die Hände der Gegner Frankreichs fiel, ließ man sie schleifen, noch ehe der Bau vollendet worden war.

Ansicht eines der Portale zur Festung. Im Falle eines Angriffs konnte die Holzbrücke abgebrochen werden. Durch den steinernen Gang am Boden des Grabens konnte die Besatzung trotzdem geschützt die vorgelagerte Bastion erreichen.

Zahn der Zeit zernagt das Bollwerk
Mit der Zeit geriet die Festung in Vergessenheit und ihre Reste wurden von Pflanzen überwuchert. Dr. Spieß entdeckte diese Machtdemonstration des Sonnenkönigs wieder. Doch seine Bemühungen waren leider nicht von Bestand. In den 50er Jahren wurde das Bergplateau aufgeforstet und wieder versank die Festung ein Stück weiter unter Bäumen und sonstigem Bewuchs. Erst seit geraumer Zeit bemüht sich der Verein „Freunde und Förderer der Festung Mont Royal“ um den Erhalt und die Instandsetzung der Überreste. Teile der Ruinen wurden bereits ausgegraben und frei gelegt. Ohne diese Arbeit würden die Pflanzen die Mauerwerke immer weiter aufdrücken und zum Zerfallen und Einstürzen bringen. Doch für eine vollständige Instandsetzung fehlt bisher das Geld. Der Verein bietet auch regelmäßig Führungen durch das Gelände an. Der Wald von Mont Royal hat diesen Ort zurückerobert und von außen lässt nichts auf diese einst mächtige Festung schließen. Doch wenn man näher kommt und die alten Weinkeller und Gänge der Kasematten entdeckt und durchschreitet, ahnt man, dass an diesem Ort ein Stück Weltgeschichte stattfand.

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