Glanzvolle Herrschaft und Untergang – Die Johanniter auf Malta Teil 2

Malta, Johanniter

Zahlreiche Paläste und Kirchen zeugen von der jahrhundertelangen glanzvollen Herrschaft des Johanniter-Ordens auf Malta. Doch dann kommt ein unerwarteter Feind und setzt der Ordensherrschaft ein plötzliches Ende.

Nach dem Sieg über die Osmanen begann eine Zeit des Wohlstands auf Malta. Gegen die entstandenen mächtigen Festungswerke rund um Valletta sollte nie wieder ein osmanisches Heer anrennen. In Valletta breitete sich durch den Handel und die aus allen Teilen Europas stammende Ritterschaft ein internationales Flair aus.
Die Johanniter drückten ihre Herrschaft auf Malta auch durch den Bau von luxuriösen Palästen aus, wie etwa dem Großmeisterpalast in Valletta oder dem Verdala-Palast im Südosten der Insel. Die Architektur dieser Paläste ist von außen oft eher schlicht, doch sind sie meist von innen kunstvoll verziert. Auch zahlreiche schöne barocke Kirchen findet man auf ganz Malta. Die St. Johannes Co-Kathedrale in Valletta wartet dem Besucher mit einem Überraschungseffekt auf. Von außen unscheinbar, bin ich überwältigt, als ich die Kathedrale betrete. Man wird fast erschlagen von dem von außen unvermuteten Prunk. Die Wände und Säulen sind über und über mit Gold verziert. Die pompöse Ausstattung der Kathedrale war ein traditionelles Antrittsgeschenk eines neu gewählten Großmeisters des Ordens. Man spürt, hier wollte jemand angeben.

Das modernste Krankenhaus der Neuzeit
Doch die Johanniter schwelgten nicht nur in Luxus. Gemäß ihres Mottos „Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen“ widmeten sich die Ordensritter auch wohltätigen Zwecken. Das 1574 errichtete Hospital „Sacra Infermeria“ in Valletta war eines der größten und fortschrittlichsten seiner Zeit. Entgegen den Gewohnheiten der Zeit wurden Patienten dort in 125 Einzelbetten untergebracht. Sogar eine Notaufnahme hatte das Krankenhaus mit einer eigenen Anlegestelle im Großen Hafen unterhalb des Gebäudes.

Im Griff der Inquisition
Ein Palast der Johanniter sticht jedoch besonders hervor. Seine Funktion war nicht nur die Repräsentation, sondern er diente auch praktisch dem Machterhalt. Durch das Stadttor von Birgu betrete ich den Ort, an dem die Herrschaft der Johanniter auf Malta ihren Anfang nahm. Dicht gedrängt stehen die Häuser hier. Ein Stück die schmale Hauptstraße entlang, dann erhebt er sich auf der rechten Seite: der Palast des Inquisitors.
Der Palast des Inquisitors ist der einzige erhaltene dieser Art auf Malta. In dem heute darin befindlichen Museum erfährt man, wie die Inquisition gearbeitet hat und erhält Zugang zu den Gemächern des Inquisitors, dem Gerichtssaal, den Gefängniszellen und zur Folterkammer. Zur Überwachung der Einhaltung des Glaubens wurde von Rom ein Inquisitor nach Malta entsandt. Zu Folter oder Todesstrafe kam es jedoch in den seltensten Fällen. Auch war die Folter an strenge Regeln geknüpft. Eine Form der Durchsetzung von Herrschaft und Macht der Kirche ist die Inquisition und der Palast in Birgu jedoch allemal. Selbst die Ritter des Johanniter-Ordens waren im Falle von Vergehen nicht vor Strafverfolgung geschützt.

Abstecher in die Kornkammer Maltas
Ein Besuch auf Malta ist jedoch nicht vollständig ohne einen Abstecher auf die Nachbarinsel Gozo. Mit der Fähre setze ich über den Kanal zwischen den zum gleichen Staatsgebiet gehörenden Inseln Malta, Comino und Gozo. Auf Gozo überrascht mich, dass die Insel deutlich grüner ist als Malta. So hat die Insel auch zur Zeit der Johanniter eine wichtige Rolle gespielt bei der Versorgung des Ordensstaats mit landwirtschaftlichen Produkten. Davon zeugen noch heute alte Mühlen und die Überreste eines Aquädukts.
Rabat, die Hauptstadt Gozos, steht Mdina, der alten Hauptstadt Maltas, in nichts nach. Der historische Stadtkern auf dem höchsten Punkt der Insel wird von starken Mauern umschlossen und bildet damit eine alles beherrschende Zitadelle. In dem alten Gefängnis innerhalb der Mauern war schon Jean da la Valette, den wir aus dem ersten Teil des Reiseberichts kennen, wegen Sittenvergehen inhaftiert.

Plötzlicher Untergang
Die eindrucksvollen Festungen und Paläste auf Malta und Gozo zeugen von der militärischen Stärke und der jahrhundertelangen Herrschaft der Johanniter in Wohlstand auf Malta. Wie konnte die Ordensherrschaft dennoch plötzlich untergehen? Ausgerechnet ein Deutscher war dafür verantwortlich: Ferdinand von Hompesch zu Bollheim. Dieser war 1797 zum Großmeister des Ordens gewählt worden und unterschätzte die Gefahr durch das aufstrebende revolutionäre Frankreich. Wähnte man sich trügerisch sicher in den großen Festungswerken? Als der französische General Napoleon Bonaparte ein Jahr später auf dem Weg zu seinem Ägyptenfeldzug an Malta vorbei kam, hatte Hompesch den ideologisch im Gegensatz zur republikanischen Regierung in Paris stehenden Ordensstaat nicht auf einen Angriff vorbereitet. Bonaparte ließ Malta und Gozo unter einem Vorwand besetzen und das Bisschen an Widerstand, das sich auf Malta gegen die französischen Eroberer regte, brach schnell zusammen. Unter dem Eindruck der gegnerischen Übermacht willigte die Ordensführung in die Kapitulationsbedingungen ein und gab damit ihr Einverständis zur Auflösung des Ordens auf Malta und zum Übergang der Herrschaft über die Inselgruppe an Frankreich. Jahrhunderte der Ordensherrscharft auf Malta fanden in wenigen Tagen ihr Ende.
Bonaparte und seine Truppen taten nun das, was sie überall taten: sie plünderten hemmungslos die gesamte Inselgruppe und nahmen mit an Wertsachen, was nicht niet- und nagelfest war. Doch die französische Herrschaft war nicht von Bestand. Nach dem endgültigen Sieg über Kaiser Napoleon, fiel Malta an Großbritannien, das es bis zu Unabhängigkeit im Jahr 1964 beherrschte bzw. verwaltete.

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