Montmédy – Erster Akt im Ballett des Sonnenkönigs

Zitadelle Montmédy
Zitadelle Montmédy

Die Festung von Montmédy lässt Besucher ehrfürchtig den Kopf in den Nacken legen. Ihre Mauern bergen ein blutiges Geheimnis. Tausende ließen hier ihr Leben für die Ambitionen eines jungen Königs.

Es ist ein Sommertag im Jahr 1657, als die Wachen der Zitadelle von Montmédy in den umliegenden Tälern das herannahende Heer sehen. Schnell wird ihnen klar, dass sich ein tödlicher Griff um ihre Festung schließen wird. Das fremde Heer wird von einem 19-jährigen König angeführt, der entschlossen ist, die wichtige Grenzfestung zu erobern und dauerhaft seinem Reich einzuverleiben. Es ist der König von Frankreich: Ludwig XIV.

Um sein Ziel zu erreichen, hat der König den genialen und legendären Ingenieur und Festungsbaumeister Sébastien Le Prestre de Vauban mitgebracht und 20.000 Soldaten. Dem französischen Heer stehen nur 750 Bürger und Soldaten der spanischen Besatzung Montmédys gegenüber.

Festung Montmédy

Ludwig XIV. im Jahr 1661.

Die Angreifer setzen alle gängigen Methoden ein, um die Mauern der Festung zu überwinden. Sie blockieren alle Versorgungswege, sie beschießen die Festung und sie bringen die Mauern mit

Sprengladungen zum Einsturz. Doch die Zitadelle wurde von den Spaniern an strategisch günstiger Stelle auf einem zu allen Seiten steil abfallenden Berg errichtet. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Belagerer schaffen es die Verteidiger, 57 Tage auszuhalten. Über 4.000 Mann fallen bei den Versuchen, die Festung zu erstürmen.

Jean d’Allamont

Die Verteidiger verlieren ihren Anführer
Erst als der Festungskommandant Jean d’Allamont am 4. August an den Folgen schwerer Verletzungen im Alter von 30 Jahren stirbt, überwältigt die Aussichtslosigkeit der Lage die Verteidiger, und die Besatzung kapituliert wenige Tage später, am 7.August.
Die Festung wird daraufhin unter Vaubans Anleitung ausgebaut und demonstriert fortan den Machtanspruch des Sonnenkönigs in dieser Grenzregion zwischen Frankreich und dem heutigen Belgien. Es sollte der erste von zahlreichen Feldzügen sein, die der Sonnenkönig unternahm, um die Grenzen seines Königreiches gen Norden und Osten auszudehnen.

Heute ist Montmédy ein friedlicher, ja etwas verschlafen wirkender Ort. Die großen Touristenströme ziehen an dieser Region vorbei. Auf dem Berg, nur ein Stück unterhalb der Zitadelle, gibt es einen öffentlichen Campingplatz, auf dem man für wenig Geld übernachten kann. Das Innere der Festung ist frei zugänglich. Nur die Mauern und Innenräume sind kostenpflichtig. Eine Ausstellung im Festungsmuseum erzählt von der Entwicklung der Festungsbaukunst in Mitteleuropa.

Was heute ebenfalls beinahe vergessen ist: Montmédy sollte im Verlauf der Geschichte noch einmal Ziel eines Königs von Frankreich werden. Im Jahr 1791 floh Ludwig XVI. vor den revolutionären Mörderbanden aus Paris in Richtung Montmedy. Doch aufgrund einer Verkettung von unglücklichen Zufällen und Ereignissen erreichte er sein Ziel nie. Der Rest ist Geschichte.

Link zum Festungsmuseum Montmedy

Ich freue mich über deine Kommentare und „gefällt mir“-Angaben auf Facebook.

Weiterleiten:

Anzeigen

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*