Burg Rheinberg – Die Rache des Fürstbischofs

Burg Rheinberg Torhaus
Burg Rheinberg Torhaus

Heute nur noch über verwachsene Waldwege erreichbar war Burg Rheinberg einst Schauplatz einer erbitterten Belagerung. Eine Spurensuche nach der geheimnisvollsten Burg im Taunus.

Man findet sie nur, wenn man weiß, wonach man sucht, und bereit ist, einen steilen Anstieg über verwachsene Waldwege auf sich zu nehmen. Doch am Ziel angekommen eröffnet die Ruine Rheinberg ein Zeitfenster ins Mittelalter an einem vergessenen Ort. Fast hat sich die Natur die Mauern zurückgeholt, doch sieht man noch genug, um die Dimension und die Bedeutung dieses Ortes zu erahnen. Und wer genauer hinschaut, findet in der Umgebung auch Spuren davon, dass um diesen Ort gekämpft wurde.

Die Anfänge der Burg Rheinberg liegen im Dunkeln. Wahrscheinlich vom Erzbistum Mainz errichtet, wurde sie erstmals 1189/90 schriftlich erwähnt. Auch wozu sie errichtet wurde ist nicht ganz klar. Sie steht auf einem heute von Wald überzogenen Berg über dem Wispertal. Flüsse wie die Wisper waren im Mittelalter eine wichtige Verkehrsader durch bewaldete und schwer zugänglich Mittelgebirge wie den Taunus. Auch fanden sich dort oft Mühlen als kleine lokale wirtschaftliche Zentren. Doch die Burg Rheinberg liegt deutlich weiter abseits vom Fluss als die anderen Burgen im Wispertal. Einer Theorie zufolge wurde die Burg errichtet als Kontrollposten für eine Straße von Rüdesheim nach Ransel und in den Koblenzer Raum.

Die Bischöfe des Mittelalters darf man sich nicht wie heutige Bischöfe vorstellen. Neben ihren geistlichen Aufgaben waren sie in vielen Fällen auch Herrscher, Politiker und nicht selten Kriegsherren, die die Interessen ihres Fürstentums notfalls auch mit Gewalt durchsetzten. Nun war der Erzbischof von Mainz auch noch einer mächtigsten Fürsten im mittelalterlichen Deutschland. Als Kurfürst hatte er das Privileg, den Kaiser mitzuwählen, und als Erzkanzler hatte er eines der höchsten zeremoniellen Ämter im Heiligen Römischen Reich inne. Als nun in den 1270er Jahren der Rheingraf Siegfried, dem die Burg Rheinberg als Lehen gegeben war, sich gegen seinen Lehnsherrn, den mainzer Fürstbischof Werner von Eppstein, wandte, fackelte der Fürstbischof dementsprechend nicht lange und entsandte ein Heer zur Belagerung der Burg Rheinberg.

Gemäß der Belagerungstechnik der Zeit errichteten die Mainzer Truppen eine Trutzburg oberhalb des Bergsporns, die Burg Blideneck, und die auf einem gegenüber liegenden Bergrücken gelegene Aachener Schanze. Von diesen Positionen aus beschossen die Mainzer Burg Rheinberg mit Bliden, mittelalterlichen Wurfgeschossen. Die Burg wurde dabei weitgehend zerstört und nach der Belagerung wieder aufgebaut. Das, was heute noch erhalten ist, zeigt daher den Ausbaustand nach 1280. Auch der noch gut erkennbare Bergfried stammt aus dieser Zeit. Von der Burg Blideneck zeugen heute noch Erdwälle und Steine.

Nach der Belagerung verloren der Rheingraf und der mainzische Truchsess Siegfried von Rheinberg ihre Anteile an der Burg, die vom Erzstift neu verlehnt wurde. Die Trutzburg Blideneck wollte der Erzbischof erhalten und dauerhaft verlehnen. Doch die Burg blieb nicht lange bewohnt und verfiel bald. Burg Rheinberg gelangte 1301 in königliche Hand und wurde von drei rheinischen Erzbischöfen im Zuge eines Zollkrieges erneut belagert und möglicherweise erneut zerstört. Danach entwickelt sich die Burg zu einer Ganerbenburg, also einer Burg, deren Besitz sich mehrere Familien teilten. Im Laufe der Zeit stieg die Zahl der mitbesitzenden Familien sogar auf 15. Mit dem Aufkommen und Verbreitung des Schießpulvers verlor die Burg ihre strategische Bedeutung. Sie verfiel im Laufe der Zeit und geriet in Vergessenheit.

Grundriss von Burg Rheinberg
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Heute lassen noch insbesondere die Mauern des Bergfrieds und die Stützen der früheren Brücke über den Burggraben die einstige strategische Bedeutung von Burg Rheinberg erahnen. Wahrscheinlich wird Jahrhundert um Jahrhundert die Natur diese restlichen Spuren mittelalterlicher Herrschergewalt im Taunus immer mehr beseitigen.

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